Wald-Fühlen - Erlebnisbericht

Samstagmittag, 14:30: gemeinsame Fahrt vom Fachwerkhaus zum Waldparkplatz:

 

Es geht los, nochmal kurz prüfen, ob die Hosen in den Socken stecken, um die Angriffssfläche für die Zecken auf das Minimum zu reduzieren. Die sommerliche Hitze hat das ganze wuchernde Grünzeug eingedörrt, der Weg zum „Tor“ zu unserem Wald-Fühlen ist viel einfacher zu laufen als vor ein paar Monaten.

 

Das "Tor" ist ein Baum, welcher quer über den Weg hängt. Eine ideale Höhe, um kurz innezuhalten, die Stirn anzulehnen und sich noch einmal mental bewusst zu machen, ab hier geht es dann los! Wir lassen den Alltag zurück, versuchen unsere Gedanken, Planungen, Sorgen nicht mehr weiterzuverfolgen und konzentrieren uns nun auf das Fühlen und Wahrnehmen des Waldes.

 

Achtsam laufen wir unter dem Baum hindurch, lenken unsere Aufmerksamkeit auf die Füße, wie sie aufsetzen und abrollen. Wir spüren gleich, der Wald ist absolut trocken. Die Ästchen unter unseren Füßen knacken und brechen zusammen, wie Glas.

Nach ein paar Minuten erreichen wir eine Stelle welche ich schon öfters besucht und immer wieder aus den herabgefallenen Ästen einen Kreis gelegt habe. Auch diesmal ist er einigermaßen erhalten. Wir reparieren ihn kurz wieder mit all dem herumliegenden Holz, packen unsere Isomatten aus, richten ein kleines Lager ein.

 

Dann geht es erstmal in den näheren Umkreis, den Wald betrachten, mit kindlicher Neugier einen umgefallenen Baum und seine herausragenden Wurzeln zu bestaunen. Fühlen, gibt es einen Unterschied zwischen einem lebenden und einem toten Baum? Pulsiert da was und hier nicht mehr??? Schauen, was noch wächst, was schon trocken ist. Hören, wie die Bäume im Wind rauschen, knarren und ächzen, wenn sie hin-und herwiegen… Die ersten Blätter der Buchen färben sich schon goldgelb, der Herbst ist auf dem Weg...

 

Nach 15 Minuten signalisiere ich den Teilnehmern, dass sie so langsam wieder zum „Basislager“ zurückkommen sollen und wir setzen/legen uns auf die Matten.

 

Ich habe in der Zwischenzeit ein paar Tannenzapfen und Buchäckerhüllen eingesammelt. Ich gebe sie den Teilnehmern und lasse sie mit geschlossenen Augen zwischen ihren Händen umherwandern, fühlen. Eine interessante Erfahrung, man kann sich eine Handmassage mit einem Tannenzapfen geben! Können wir einen Tannenzapfen zusammendrücken? Eigentlich ist er ja nicht so fest. Aber, wir schaffen es nicht. Die Konstruktion des Zapfens ist doch so stabil, dass es nicht geht. Zumindest nicht mit unserer Kraft.

 

Noch eine Erkenntnis: die kleine Buchäckern habe eine stachelige Oberfläche, sie eignet sich ideal, um die Fingerkuppen zu massieren.

 

Mit einem Tannenzapfen in der Hand machen wir eine kleine Meditation, eine Loslass-Übung. Wir denken an etwas, das wir loshaben möchten. Sei es ein Schmerz im Knie, ein Streit mit dem Nachbarn, KollegIn…. Projezieren diese Gedanken in den Tannenzapfen. Danach graben wir neben uns ein kleines Loch in die Erde, wir sehen, aha, da unter dem Laub ist es doch noch feucht und der Boden ist ziemlich sandig hier. Wer mutig ist, kann auch ein bisschen an der Erde schnüffeln. Dann wird der Tannenzapfen „begraben“ und somit auch die Gedanken dazu. Mir gefällt besonders dieser Gedanke: wenn ich etwas in den Briefkasten werfe, dann schaue ich ja auch nicht dauernd nach, ob der Brief wirklich drin ist oder ob er schon weitergeliefert wurde. Er ist im Briefkasten, weg von mir, fertig. So ist es mit dem Loslassen auch.

 

Wir legen uns auf den Bauch, schauen den Wald aus Ameisenkniehöhe an. Dann aus Sicht eines Igels.. Hasen… Reh… Vogel… schauen mental von oben auf den Wald, gehen über in einer Meditation in den Baum…..den Stamm entlang wieder herunter…. Zirkulieren, schauen von oben…

 

Zum Abschluss legen wir aus allem, was uns der Wald in unmittelbarer Nähe bietet, ein Mandala.

 

Die Zeit vergeht wie im Fluge, 2h sind gleich vorbei und wir machen uns langsam auf den Rückweg, verabschieden uns beim quer liegenden Baum und kommen wieder in die Realität zurück.

 

Habe ich Sie neugierig gemacht? Dann kommen Sie das nächste Mal doch einfach mit?

 

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